Archive for the 'Politik' Category

UN-Tribunal in Arusha

BagosoraTansania ist gerade wieder ein bischen in der Weltpresse. In Arusha, eine knappe Stunde von Moshi entfernt, endete gestern der Prozess gegen Theoneste Bagosora, einen Chefplaner des Voelkermords in Ruanda.

When The Times met Bagosora, then a colonel, on Day 10 of the genocide, he claimed to be deploying the Rwandan Army to stop the killings, despite being surrounded by a smiling group of drunk militia leaders, many of whom wore bloodstained clothes.

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Election Day

Heute morgen kam schon im Radio, dass es Obama auf jeden Fall geschafft hat, obwohl noch nicht alle Stimmen ausgezahlt sind. Walter ist immer noch ganz aus dem Häuschen, als Kenianer ist er so was wie ein Landsmann von Obama. Er blieb die ganze Nacht wach und hat mich lautstark mit den Worten „A monkey will rule the world“ geweckt. Ich habe die ganze Wahlnacht durchgepennt, hatte nicht mit so einem frühen Ergebnis gerechnet. Walter rechnet aber ernsthaft damit, dass Obama bald von irgendwelchen Rassisten erschossen wird.
Gestern habe ich mit einer Klasse an der Rau eine kleine Umfrage gemacht, drei Stimmen für McCain und 57 für Obama.
Die Leute tanzen zwar heute nicht in den Strassen, sind aber sehr gut gelaunt und reden nur noch ueber die Wahl. Von den Händlern bekommt man heute auch sehr gute Preise. Richtig gefeiert wird scheinbar in Kenia. Ministerpräsident Odinga, ein Cousin von Obama, hat mit Präsident Kibaki die Auszaehlung in der amerikanischen Botschaft verfolgt und prompt für morgen einen Feiertag ausgerufen.

Hier das „Time for Some Campaignin'“ Video von jibjab.

Obama


Die inzwischen scheinbar apokalyptische Weltwirtschaftskrise laesst sich in Tansania recht gut ignorieren. Ich kriege davon immer nur in Mails aus Deutschland oder im Internet mit.

Die Zeitungen haben zwar auch 3, 4 internationale Seiten, davon sind aber zur Zeit immer mindestens 2 fuer Obama News reserviert. Jedes neue Fernsehduell wird ausgiebig analysiert und jede moegliche Wahlkampfstrategie durchgespielt. Dabei sind die Schreiberlinge in der Regel sehr parteiisch, treten jeden McCain Skandal in die Breite und drucken ehrfuerchtig ganze Reden von Obama ab.
Die meissten glauben zwar nicht, dass ein schwarzer US Praesident etwas an ihrer Situation aendert, sehen ihn aber als Symbol dafuer, dass endlich auch schwarze Politiker ueber Weisse bestimmen und sogar eine Weltmacht (z. Zeit sind das wahrscheinlich nicht mehr die USA) anfuehren koennen.

Obama in Kenia

"Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten."

Viele hier halten die Demokratie fuer das groesste Uebel, das die Weissen nach Afrika brachten. Im Grunde genommen koenne so etwas nur in entwickelten Industrielaendern funktionieren.
Die Regierung gilt im Allgemeinen als korrupt und verschwenderisch. So verfuegt die tansanische Regierung ueber mehr als 40 Ministerien, welche sich wiederrum regelmaessig teure, amerikanische Schlitten zulegen und wichtige Posten mit Familienmitgliedern besetzen.
Man kann nur sehr eingeschraenkt von freien Wahlen sprechen. Die Opposition wird waehrend den Wahlen massiv behindert, aehnlich wie in Kenia oder Simbabwe. So ist die Regierungspartei CCM seit 1995 an der Macht, immer mit 80 Prozent und mehr der Stimmen.
Auch laesst sich hier mit Geld so ziemlich alles Regeln. Walter hat mir von einem Hotelbesitzer erzaehlt, der ein sechsjaehriges Maedchen vergewaltigt hat. Offiziell wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt. Doch weil er ueber das noetige Kleingeld verfuegt, lief er nach zwei Jahren wieder als freier Mann im Moshi herum.

So haetten die einen liebend gerne wieder die Englaender in Tansania. Zwar sei das Land bis 1961 komplett fremdgesteuert gewesen, doch westliche Arbeitsmoral und Know-how haetten dem Land eine feste Struktur und wirtschaftliche Zukunft gegeben. Ohne die Weissen sei die Situation chaotisch und das Land treibe nur planlos vor sich hin, ohne wirklich vorwaerts zu kommen.
Andere wuenschen sich so etwas wie den „starken Mann“. Walter z.B haette gerne einen Koenig fuer Tansania. Einen der unbuerokratisch und unbestechlich die wichtigen Entscheidungen faellt. Natuerlich ohne Parlament, das sowieso nur Geld frisst und sich unproduktiv streitet. Dass aus so einem starken Mann leicht ein Robert Mugabe werden kann, der sich in Simbabwe seit fast 30 Jahren an der Macht haellt und sein Volk hungern laesst, sieht Walter relativ gelassen: „Then we’ll just kick him away!“