Archiv für Mai 2009

Bure bure kapisa

Musste den Blog in letzter Zeit etwas vernachlaessigen. Zum einen hatte ich mit „White Orange Youth“ den letzten Monat so viel Arbeit wie nie zuvor, zum anderen sitze ich gerade ueber Motivationsschreiben und Lebenslaeufen fuer deutsche und hollaendische Unis. Bei letzterem hat mir aber netterweise meine Schwester einen grossen Teil der Arbeit abgenommen.

Walter kriege ich in letzter Zeit nicht mehr viel zu Gesicht. Die letzten drei Wochen war er in Kenia und Uganda und arbeitete fuer irgendein kenianisch-britisches Community-Development-Project, bei dem er unterschiedliche Regionen und Staemme besucht und Einheimische ueber geplante Entwicklungshilfeprojekte interviewt. Gerade ist er wieder in Moshi, am Donnerstag aber auch schon wieder auf dem Weg in den Sudan fuer einen neuen Auftrag. Freue mich, dass er jetzt einen gutbezahlten Job hat bei dem er richtig gut ist, ist aber ein bischen schade, dass ich ihn in meinen restlichen zwei Monaten nicht mehr oft sehen werde.

Die Aids-Testaktionen der letzten Wochen waren der Ausgleich fuer Zeiten in denen ich eher weniger zu tun hatte. War jeden Tag von 6 bis fast Mitternachts unterwegs.

Wir mussten fuer die Aktionen allerhand im Vorfeld machen. Die Doerfer und Maerkte, auf denen die Aktionen steigen sollen, werden erst auf Tauglichkeit ueberprueft. Der Platz muss gross genug fuer zwei Testzelte des Aerzteteams, die Entertainment -Fraktion (wir haben immer zwie MCs s und abwechselnd die Kiliwizards und eine Schauspieltruppe namens K.A.C.A). Auch muss genuegend Publikum vorhanden sein, deswegen haben wir uns fast immer neben groesseren Wochenmaerkten plaziert.

Auch mussten wir Banner mit Slogans auf Kiswahili zum Testen malen. Alleine fuer sowas gingen schon zwei Tage drauf.

Der typische Aktionstag sieht dann immer so aus:

Beim White Orange Youth-office holt uns morgens der Truck ab, der uns zum Haus des DJ faehrt. Von dort verladen wir eine groessere Musikanlage mit sieben Boxen, ein Mischpult und zwei Generatoren (falls einer ausfaellt, was regelmaessig vorkommt) auf den Truck. Danach werden Boxen, Mischpult und Generatoren festgebunden. Wenn die Aktion in Moshi oder naeherer Umgebung ist, wird die Anlage waehrend der Fahrt angeworfen und wir starten die „promotion tour“, bei der die MCs (Gordad und Chudy) alle Passanten auf die Aktion aufmerksam machen.

Wenn wir dann alle restlichen WOY-Volunteers, Kiliwizards, Aerzte oder K.A.C.A-Schauspieler in der Stadt aufgesammelt haben fahren wir etwas ueberladen und eigeengt auf einem Truck mit Zelten, Stuehlen, Musikanlage und immer etwa 15-20 Leuten Richtung Zielort.

Dort bauen wir dann die Zelte auf, waehrend die MCs nochmal mit dem Truck den Markt oder das Dorf umrunden und die direkten Anwohner wecken. Beim Aufbau stellen wir den Truck immer zwischen Testzelte und Entertainment-Platz, so dass Leute, die sich testen lassen wollen, immer etwas sichtgeschuetzt von dem Publikum der Kiliwizards oder K.A.C.A sind und sich eher trauen vor dem Testzelt Schlange zu stehen. Nach dem Aufbau bin ich immer Ordner an den Testen und muss versuchen, Tansaniern das System „Schlange-stehen“ zu erklaeren, den Leuten erklaeren, dass sie von uns kein Geld oder Geschenke bekommen oder ab und zu Kinder zu verscheuchen, die durch die Zeltfenster linsen. Getestet wird von einem vierkoepfigen Aerzteteam, dass von WOY bezahlt wird.

Eine der Aerzte. Auf dem Tisch der Rapidtest.

Der „Rapidtest“ funktioniert in etwa wie ein Schwangerschaftstest mit Blut statt Urin. Man wird in einen Finger gepiekst und gibt ein paar Tropfen Blut auf einen Teststreifen. Auf diesem diesem Streifen ist eine Anzeige, die sich langsam faerbt. Wenn sich der Streifen nur ein oder zwei Punkte fuellt ist der Getestete positiv, wenn sich der Streifen komplett fuellt, ist er oder sie negativ. Insgesamt lassen sich mehr Frauen als Maenner testen, wuerde sagen, dass Verhaeltnis ist etwa ein- zu zwei Dritteln. Frauen bekommen aber auch durchschnitlich haeufiger die HIV-positiven Ergebnisse.

Wenn mich jemand abloest, mach ich mich mit vier Kartons Kondomen auf den Weg durch die Maerkte und bruelle Slogans wie „Chukua! Bure bure kabisa“ (Greif zu! Absolut kostenlos!) oder „Kama kweli unampenda, utamlinda“ (ist der Werbeslogan von Salama-Condoms, in etwa: Wenn sie dir etwas bedeutet, beschuetzt du sie). Das bringt mir dann immer viele Lacher unter den Marktfrauen ein. Normalerweise ist sowas ganz nett, die Leute genieren sich eigentlich nur selten, Kondome zu nehmen. Frauen kann man die Dinger aber so gut wie nie andrehen. Manchmal wirds ein bischen nervig, wenn Leute keine Kondome wollen und mich nach Geld fragen oder Diskussionen starten wollen, dass wir mit kostenlosen Kondomen Sex fuer Jugendliche interessant machen wuerden und damit Aids nur noch foerdern wuerden (das ist meisstens die christliche Fraktion).

Ansonsten machen wir auch manchmal Kondom-Demonstrationen, dazu haben wir einen Penis-Modell, mit dem wir den  staunenden und kichernden Zuschauern den fachgerechten Gebrauch zeigen. Sowas ist auch total wichtig, die meissten hoeren bei so etwas naemlich zum ersten Mal, dass Kondome nicht mehrfach gebraucht werden koenn und es so etwas wie ein Verfallsdatum gibt.

Waehrend alledem ist ein paar Meter weiter die Entertainment-Fraktion zugange. Wir haben immer zwei MCs, Gordad und Chudy, die fuer die Umstehenden Programm machen. Wir haben immer ein paar T-Shirt mit Slogans wie „Nenda Kapime (Lass dich testen!)“ ueber, die wir bei solchen Shows unter die Leute bringen. Ich werde mindestens zweimal am Tag von den MCs ans Mikro gerufen und muss dann die Zuschauer auf kichaga gruessen (da „Masawe“ vom Stamm der Chaga stammt, die eine eigene Sprache sprechen und deren wichtigsten Grussformeln man mir inzwischen beigebracht hat).

Wenn Gordad und Chudy Pause haben trommeln und tanzen entweder die Kiliwizards oder die Truppe von K.A.C.A spielen Theater. Die Stuecke drehen sich immer Aidskranke und ihre Familien, z.B um einen Jugendlichen, der positiv ist und dessen Familie schon vor gestorben ist. Trotzdem werden die Geschichten immer sehr witzig gespielt und sind fuer die Zuschauer immer der Hoehepunkt des Tages.

Gordad & Chudy waehrend der Show als MCs
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Komme zur Zeit nicht mehr gross zum bloggen, bin seit zwei Wochen von morgens bis abends mit White Orange Youth unterwegs. Wir machen auf den Maerkten und in den Voroten von Moshi mobile Aids-Testaktionen mit Entertainment von den Kiliwizards. Das zieht sich immer sehr lange und wenn ich abends heim komme, muss ich meisstens gleich wieder in die Dala Dala nach Magereca springen. Versuche in den naechsten Tagen was darueber zu bloggen und auch ein paar Fotos hochzuladen.