Archiv für April 2009

War die letzte Woche bei White Orange Youth damit beschaeftigt, mit anderen Volunteers eine Art Roadshow vorzubereiten. Dabei sollte es Infos ueber HIV/Aids, Kondomverteilung und sogar eine mobile Station geben, bei der man einen Aids-Test machen kann. Die Kiliwizards sollten den Unterhaltungspart uebernehmen. Wir haben dann in der Woche zuvor Banner fuer die Trucks gemalt, andere Organisationen interviewt, die so etwas schon mal gemacht haben und ein bischen Verwaltungskram erledigt. Letzten Samstag Morgen sind wir dann zu einem Vorort von Moshi ausgerueckt. Als ankamen stellte sich heraus, dass WOY zwar ein Zelt fuer die Test-Station gemietet hatte, dieses jedoch nur ein Dach und keine Seitenwaende hatte. Das Aerzte Team, dass fuers Testen zustaendig war und schon im Vorraus von WOY bezahlt wurde, zog deswegen nach einer Weile wieder ab, da Testen unter den Umstaenden illegal waere. Das ganze hat die uns natuerlich sehr genervt, da so mit einem sehr abgespeckten Programm angefangen wurde. Es gab dann eine Art Info-Show, die Kiliwizards hatten ihren Auftritt und wir haben den Zuschauern und den rund um den Marktplatz Kondome in die Hand gedrueckt. Letzteres war ganz witzig, viele Leute genierten sich sehr und zeigten nur auf ihre linke Hand um anzudeuten, dass sie verheiratet seien. Manchmal mussten wir bis zu 10 Minuten reden um die Leute rumzukriegen, dabei habe ich dann mein „Ich bin Masawe, ein in Tansania aufgewachsener Albino“-Programm gebracht, was ganz gut ankam. Wenn’s uns zu bloed war und sich die Leute sich vehement straeubten, haben wir manchmal einfach Kondome in deren Hemd- oder Hosentasche gesteckt und sind weitergezogen. Ist vielleicht nicht der eleganteste Weg, aber immer noch besser als einfach weiterzuziehen. Den die meisten trauten sich nicht, unter den Augen der Dorf-Bekanntschaft Kondome in die Hand zu nehmen. So konnten sie spaeter wenigstens sagen, dass der weisse Mann sie gezwungen hat.

Aids-Plakate in Moshi

Das Buero einer anderen HIV/Aids Organisation in Moshi


Oben: „Dieses Verhalten erhoeht das Risiko Aids zu kriegen. Pass auf!“ Unten Rechts (sinngemaess): „Bei zu knappem Outift wird man leichter angemacht“
Der Ministerpraesident (den ich schon live in Moshi gesehen habe) wirbt fuer ein Aids-freies Tansania. „Tansania ohne Aids ist moeglich. Lass dich testen!“

Nairobi

Habe das lange Osterwochenende genutzt um mit Walter in die kenianische Hauptstadt zu fahren. Joel, der uns zuletzt fuer einen Monat in Moshi besucht hatte, wohnt dort mit Freundin. Wir haben die ersten drei Tage bei Merceline, einer Couchsurferin gepennt, dann ist Walter zurueck nach Moshi und ich habe noch ein paar Tage bei Joel, seinem Cousin und seinem Bruder gehaust. White Orange Youth hatte mir fuer die restlichen Tage der angefangenen Woche freigegeben, da es in der Woche keine Arbeit bzw. nur eine Art Inventur gab, fuer die sie keine Volunteers brauchen.

Ausser dem kenianischen Nachtleben haben wir uns noch die Gedenkstaette fuer die Al-Quaida Anschlaege an der amerikanischen Botschaft angesehen. Walter war 1998 Sanitaeter in einem Krankenhaus in Nairobi und musste damals auch Anschlagsopfer versorgen. Der Platz, an dem frueher die Botschaft stand, ist jetzt eine Art Kulturpark mit Museum. Als wir da waren, spielte draussen gerade eine Genge-Band (kenianischer Bongo Flava). Auch lief gerade eine Aktion, bei der man anstatt Eintritt mit einer Tuete Maismehl bezahlen musste, welche dann spaeter in den Slums von Nairobi verteilt werden sollten.

Ansonsten ist Nairobi sehr hektisch und laut. Die Autos rasen einheitlich wie auf deutschen Autobahnen und nehmen sich immer recht anarchisch die Vorfahrt, die Strassen konnte ich eigentlich immer nur im Sprint ueberqueren. Auch die Matatus, die kleinen Busse die durch die Innenstadt fahren, sind mit Slogans wie „We don’t drive too fast, we are flying slowly!“ bemalt und drehen die Boxen immer auf volle Lautstaerke, sodass es einem noch lauter vorkommt als in der Disko in der man gerade war.

Eines Nachmittags bin ich durch das Zentrum gezogen und habe in der Naehe Schuesse gehoert. Habe dann schleunigst kehrt gemacht, bin aber etwa eine Stunde spaeter durch Zufall wieder in die Gegend gekommen. Dort waren jetzt Polizeiabsperrungen und auf der Strasse lag ein toter Mann. Tags darauf stand in der Zeitung, dass er einer mit zwei anderen Leuten einen Supermarktbesitzer ueberfallen hatte. Die drei Maenner hatten ihm die woechentlichen Einnahmen abgenommen als er diese gerade in einer Plastiktuete zur Bank bringen wollte. Die Gangster wurden jedoch anschliessend von den Passanten eingekreist und konnten nicht abziehen. Deswegen sollen sie einen Teil der Beute in die Menge geschmissen haben um etwas Verwirrung zu stiften. Zwei der Ganster konnte erfolgreich fliehen, der andere, den ich auf der Strassen gesehen hatte, wurde entweder von der Polizei erschossen oder von der Meute gelyncht, die Meinungen gehen da irgendwie ausseinander. Als ich die Story ganz aufgeregt abends meinen Gastgebern erzaehlte, grinsten die nur und meinten, dass sowas fast taeglich passiert. Inzwischen nennen manche die Stadt sogar „Nairobbery“.

Irgendwie sieht auch alles sehr westlich aus: Es gibt Kasinos, Fastfood und jeder trabt im Stechschritt durch die City. Bin ganz froh wieder im ruhigen und beschaulichen Moshi zu sein auch ich wenn kuehleren Temperaturen in Nairobi genossen habe.

Ich habe auch ein paar Bilder gemacht, wenn auch nicht sehr viele. Habe naemlich eine ganz ordentliche Kamera und wollte in der Innenstadt keine Ganster anlocken.

On the road

Ich tucker gerade im bus der tansanisch/kenianischen Grenze entgegen und blooge dabei via Handy.Habe eine gute Woche in Kenias Hauptstadt Nairobi verbracht und hektisches afrikanisches Grossstadtleben erlebt. Bin jetzt relativ k.o und freue mich auf gemuetlichen Sonntagmittag in Moshi..
Ueber Nairobi bei Zeiten nochmal ausfuehrlicher.

Mein Gips ist inzwischen wieder weg, lustigerweise hat sich mein Doktor inzwischen selber den Zeh gebrochen (aber am anderen Fuss). Ich bin diese Woche immer noch bei den Kiliwizards, ab naechster Woche dann auch wieder bei White Orange Youth und Yocoso.

Am Wochenden haben die Nachbarn ein Schaf geschlachtet, Anlass war die Beschneidung der Nachbarsjungen. Wir waren alle recht erleichtert, das Tier war die letzten Zwei Wochen vor unserer Wohnung angebunden und hat jede Nacht durchgebloekt . Wir durften dann als Entschaedigung mitessen.

Unsere Nachbarn in Magereca mit den Ueberresten von einem Schaf

Am war Sonntag „Jioni ya mwafrica“ (~afrikanischer Abend), eine Veranstalltung von den Kiliwizards. Das ganze war eine Mischung aus Bongo Flava, tansaniaschem Hip-Hop und traditionellen Taenzen. Hier zwei Bilder, bald kommen noch mehr.

John & Cassim (Kiliwizards) bei „Joini ya mwafrica“