Archiv für September 2008

The B-Band – Nzela

Kurz verlinkt: "Was heißt Stirnlappenbasilisk auf Suaheli?"

Stefan Niggemeier, unter anderem Mitbegruender von Bildblog und einer meiner Lieblingsblogger, hat in seinem eigenen Blog einen kurzen Artikel ueber tansanisches Call-TV geschrieben.

Kurzes Update

Von Tansania

Ich werde heute Abend endlich umziehen, nach langem hin und her. Zuerst hatten Walter und ich eine ganz neue und relativ schicke Wohnung ausgemacht. Der Vermieter hat und aber wochenlang mit Wasser- und Strom Installation hingehalten (grundsaetzlich muss man hier alle Zeitangaben mal drei nehmen)und wir haben jetzt schliesslich noch was anderes gefunden. Ist eine zwei Zimmer Wohnung, zwar nicht ganz so schick wie die Wunschbude, jedoch mit Hoftor und anderen Familien nebenan, was ganz beruhigend ist.
Das ganze hat sich auch deswegen so hingezogen, weil Walter vorgeben musste, allein einzuziehen und ich nur auf kurzem Besuch bei ihm sei. Wenn die Vermieterin im Vorraus mitgekriegt haette, dass ein Weisser bei ihr einzieht, haette sie uns sehr viel mehr berappt.
Die letzte Woche war ich in der Rau, konnte relativ viel in den Klassen machen (habe ihnen unter anderem Galgenmaennchen beigebracht, das auf sehr viel Begeisterung gestossen ist). Morgen treff ich wahrscheinlich den Boss vom Kili Centre (fuer Waisen und Strassenkinder) und kann hoffentlich schon naechste Woche dort anfangen. Die haben zur Zeit keine Volunteers und regeln den ganzen Visa Kram recht unbuerokratisch.
Heute Abend bin ich zu der Hochzeit von einer Rau-Lehrerin eingeladen. Sowas zieht sich immer seeehr lange, dafuer ist das Essen super.
Das Internet ist gerade wieder sehr lahm, habe in einer Stunde insgesamt 3 neue Bilder hochgeladen.

"Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten."

Viele hier halten die Demokratie fuer das groesste Uebel, das die Weissen nach Afrika brachten. Im Grunde genommen koenne so etwas nur in entwickelten Industrielaendern funktionieren.
Die Regierung gilt im Allgemeinen als korrupt und verschwenderisch. So verfuegt die tansanische Regierung ueber mehr als 40 Ministerien, welche sich wiederrum regelmaessig teure, amerikanische Schlitten zulegen und wichtige Posten mit Familienmitgliedern besetzen.
Man kann nur sehr eingeschraenkt von freien Wahlen sprechen. Die Opposition wird waehrend den Wahlen massiv behindert, aehnlich wie in Kenia oder Simbabwe. So ist die Regierungspartei CCM seit 1995 an der Macht, immer mit 80 Prozent und mehr der Stimmen.
Auch laesst sich hier mit Geld so ziemlich alles Regeln. Walter hat mir von einem Hotelbesitzer erzaehlt, der ein sechsjaehriges Maedchen vergewaltigt hat. Offiziell wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt. Doch weil er ueber das noetige Kleingeld verfuegt, lief er nach zwei Jahren wieder als freier Mann im Moshi herum.

So haetten die einen liebend gerne wieder die Englaender in Tansania. Zwar sei das Land bis 1961 komplett fremdgesteuert gewesen, doch westliche Arbeitsmoral und Know-how haetten dem Land eine feste Struktur und wirtschaftliche Zukunft gegeben. Ohne die Weissen sei die Situation chaotisch und das Land treibe nur planlos vor sich hin, ohne wirklich vorwaerts zu kommen.
Andere wuenschen sich so etwas wie den „starken Mann“. Walter z.B haette gerne einen Koenig fuer Tansania. Einen der unbuerokratisch und unbestechlich die wichtigen Entscheidungen faellt. Natuerlich ohne Parlament, das sowieso nur Geld frisst und sich unproduktiv streitet. Dass aus so einem starken Mann leicht ein Robert Mugabe werden kann, der sich in Simbabwe seit fast 30 Jahren an der Macht haellt und sein Volk hungern laesst, sieht Walter relativ gelassen: „Then we’ll just kick him away!“

Rau Primary

Nach einer Woche Schulferien war ich heute wieder in der Rau. Bin bisher nicht so begeistert, da die Schule (auch fuer afrikanische Verhaeltnisse) ein ziemlicher Schnarchverein ist. Hatte mir vorgestellt hauptsaechlich in den Klassen ein bischen Englisch zu machen, statt dessen verbringe ich die meiste Zeit taten- und sinnlos im Lehrerzimmer, korrigiere ab und zu mal Hausis oder Examen und darf an einem Tag vielleicht eine halbe Stunde was mit den Schuelern machen. Der Lieblingssatz von meinem „betreuenden“ Lehrer ist: „Just wait“. Und dafuer stehe ich bis jetzt immer um 6 auf und laufe eine knappe Stunde zu dem Verein.

Nachdem ich vor den Ferien Lehrern und Rektor gesagt habe, was ich mir so unter der Arbeit vorstelle, haben sie sich verstaendlich gezeigt. Zwar konnte ich dann heute relativ haeufig in Klassen, musste mir aber alles langwierig erbetteln. Und das nervt auf die Dauer ziemlich.

Habe auf jeden Fall beschlossen, die Stelle zu wechseln. Wenn ich Glueck habe nimmt mich das „Mkombozi Street Children Center“. In der Regel werden nur Studenten angenommen, sie haben aber gemeint, ich sollte mich ruhig bewerben, wenn ich schon mal in Moshi bin, . Die scheinen ein ganz abwechlungsreiches Programm zu haben, mit Unterricht, Streetwork, Theater, Musik, Sport, etc. Hoffe das ich dort (oder woanders) endlich mehr zu tun hab.

Bongo Flava: Nakaaya feat. M1 – Mr. Politician

Wer wissen will, welche Musik hier so laeuft und ein paar bewegte Bilder von Moshi’s Nachbarstadt (Arusha) sehen will, dem habe ich hier eine Video von „Nakaaya“ verlinkt.

Das „Remember Amina“ bezieht sich auf Amina Chifupa, eine in linken Kreisen sehr beliebte Politikerin, die 2007 starb.

Neue Bilder

Von Tansania

Habe inzwischen neue Bilder von einem Ausflug zu den Materuni Wasserfaellen hochgeladen. Wir sind den ganzen Tag durch einen Regenwald im Gebirge gewandert und sind irgendwann bei dem Wasserfall angekommen. Durfte sogar einheimisches Bier probieren (das allerdings nicht so brege geschmeckt hat).