Mwisho wa safari

Melde mich gerade aus Mombasa, Kenia. Bin gerade auf meiner letzten Reise, habe naemlich noch zwei Wochen Urlaub bekommen und mache jetzt eine kleine Ostafrika-Tour. Von Mombasa geht’s wahrscheinlich bald nach Nairobi, danach nach Uganda, wo ich einen Freund besuchen werde und wenn ich am Schluss noch Zeit habe, nach Kigali, die Hauptstadt von Ruanda. Irgendwo an der Grenze von Uganda und Kenia muss ich auch noch nach Walter gucken, der ist dort naemlich mit seinem Research Job zu Gange und wird wahrscheinlich vor meiner Abreise nach Deutschland nicht mehr nach Moshi kommen.

Waehrend dem Trip lasse ich mich immer von Couchsurfern hosten, was super ist. Der jetztige in Mombasa ist ein Pastor der mich super versorgt und mir umbedingt ganz Mombasa zeigen will.

Wenn ich nach den zwei Wochen wieder nach Moshi komme, bleiben mir gerade noch 10 Tage bis ich nach Dar es Salaam muss und den Flieger nach Deutschland nehme.

Bei „White Orange Youth“ war die letzte Zeit nichts spektakulaeres los, hauptseachlich Bueroarbeit. Von den Testaktionen wurde etliche Berichte verfasst, die mussten dann von kiswahili in englisch uebersetzt werden, bzw. die englischen Uebersetzungen mussten wieder korrigiert werden, usw. Hatte also im Buero die meisste Zeit zu schaffen.

Ich mach mich jetzt mal an den Strand und versuche zu ignorieren, dass das Ende meiner Zeit hier echt in Sichtweite ist…

Picha bure bure kabisa

Zuschauer der K.A.C.A Schauspielertruppe

Habe gerade nochmal einen ganzen Schwung Bilder von den Testaktionen hochgeladen.

Wartende Menschen vor den Tesstzelten. Der Slogan: „Es ist riskant, seinen (HIV-)Status nicht zu wissen. Lass dich testen“

Bure bure kapisa

Musste den Blog in letzter Zeit etwas vernachlaessigen. Zum einen hatte ich mit „White Orange Youth“ den letzten Monat so viel Arbeit wie nie zuvor, zum anderen sitze ich gerade ueber Motivationsschreiben und Lebenslaeufen fuer deutsche und hollaendische Unis. Bei letzterem hat mir aber netterweise meine Schwester einen grossen Teil der Arbeit abgenommen.

Walter kriege ich in letzter Zeit nicht mehr viel zu Gesicht. Die letzten drei Wochen war er in Kenia und Uganda und arbeitete fuer irgendein kenianisch-britisches Community-Development-Project, bei dem er unterschiedliche Regionen und Staemme besucht und Einheimische ueber geplante Entwicklungshilfeprojekte interviewt. Gerade ist er wieder in Moshi, am Donnerstag aber auch schon wieder auf dem Weg in den Sudan fuer einen neuen Auftrag. Freue mich, dass er jetzt einen gutbezahlten Job hat bei dem er richtig gut ist, ist aber ein bischen schade, dass ich ihn in meinen restlichen zwei Monaten nicht mehr oft sehen werde.

Die Aids-Testaktionen der letzten Wochen waren der Ausgleich fuer Zeiten in denen ich eher weniger zu tun hatte. War jeden Tag von 6 bis fast Mitternachts unterwegs.

Wir mussten fuer die Aktionen allerhand im Vorfeld machen. Die Doerfer und Maerkte, auf denen die Aktionen steigen sollen, werden erst auf Tauglichkeit ueberprueft. Der Platz muss gross genug fuer zwei Testzelte des Aerzteteams, die Entertainment -Fraktion (wir haben immer zwie MCs s und abwechselnd die Kiliwizards und eine Schauspieltruppe namens K.A.C.A). Auch muss genuegend Publikum vorhanden sein, deswegen haben wir uns fast immer neben groesseren Wochenmaerkten plaziert.

Auch mussten wir Banner mit Slogans auf Kiswahili zum Testen malen. Alleine fuer sowas gingen schon zwei Tage drauf.

Der typische Aktionstag sieht dann immer so aus:

Beim White Orange Youth-office holt uns morgens der Truck ab, der uns zum Haus des DJ faehrt. Von dort verladen wir eine groessere Musikanlage mit sieben Boxen, ein Mischpult und zwei Generatoren (falls einer ausfaellt, was regelmaessig vorkommt) auf den Truck. Danach werden Boxen, Mischpult und Generatoren festgebunden. Wenn die Aktion in Moshi oder naeherer Umgebung ist, wird die Anlage waehrend der Fahrt angeworfen und wir starten die „promotion tour“, bei der die MCs (Gordad und Chudy) alle Passanten auf die Aktion aufmerksam machen.

Wenn wir dann alle restlichen WOY-Volunteers, Kiliwizards, Aerzte oder K.A.C.A-Schauspieler in der Stadt aufgesammelt haben fahren wir etwas ueberladen und eigeengt auf einem Truck mit Zelten, Stuehlen, Musikanlage und immer etwa 15-20 Leuten Richtung Zielort.

Dort bauen wir dann die Zelte auf, waehrend die MCs nochmal mit dem Truck den Markt oder das Dorf umrunden und die direkten Anwohner wecken. Beim Aufbau stellen wir den Truck immer zwischen Testzelte und Entertainment-Platz, so dass Leute, die sich testen lassen wollen, immer etwas sichtgeschuetzt von dem Publikum der Kiliwizards oder K.A.C.A sind und sich eher trauen vor dem Testzelt Schlange zu stehen. Nach dem Aufbau bin ich immer Ordner an den Testen und muss versuchen, Tansaniern das System „Schlange-stehen“ zu erklaeren, den Leuten erklaeren, dass sie von uns kein Geld oder Geschenke bekommen oder ab und zu Kinder zu verscheuchen, die durch die Zeltfenster linsen. Getestet wird von einem vierkoepfigen Aerzteteam, dass von WOY bezahlt wird.

Eine der Aerzte. Auf dem Tisch der Rapidtest.

Der „Rapidtest“ funktioniert in etwa wie ein Schwangerschaftstest mit Blut statt Urin. Man wird in einen Finger gepiekst und gibt ein paar Tropfen Blut auf einen Teststreifen. Auf diesem diesem Streifen ist eine Anzeige, die sich langsam faerbt. Wenn sich der Streifen nur ein oder zwei Punkte fuellt ist der Getestete positiv, wenn sich der Streifen komplett fuellt, ist er oder sie negativ. Insgesamt lassen sich mehr Frauen als Maenner testen, wuerde sagen, dass Verhaeltnis ist etwa ein- zu zwei Dritteln. Frauen bekommen aber auch durchschnitlich haeufiger die HIV-positiven Ergebnisse.

Wenn mich jemand abloest, mach ich mich mit vier Kartons Kondomen auf den Weg durch die Maerkte und bruelle Slogans wie „Chukua! Bure bure kabisa“ (Greif zu! Absolut kostenlos!) oder „Kama kweli unampenda, utamlinda“ (ist der Werbeslogan von Salama-Condoms, in etwa: Wenn sie dir etwas bedeutet, beschuetzt du sie). Das bringt mir dann immer viele Lacher unter den Marktfrauen ein. Normalerweise ist sowas ganz nett, die Leute genieren sich eigentlich nur selten, Kondome zu nehmen. Frauen kann man die Dinger aber so gut wie nie andrehen. Manchmal wirds ein bischen nervig, wenn Leute keine Kondome wollen und mich nach Geld fragen oder Diskussionen starten wollen, dass wir mit kostenlosen Kondomen Sex fuer Jugendliche interessant machen wuerden und damit Aids nur noch foerdern wuerden (das ist meisstens die christliche Fraktion).

Ansonsten machen wir auch manchmal Kondom-Demonstrationen, dazu haben wir einen Penis-Modell, mit dem wir den  staunenden und kichernden Zuschauern den fachgerechten Gebrauch zeigen. Sowas ist auch total wichtig, die meissten hoeren bei so etwas naemlich zum ersten Mal, dass Kondome nicht mehrfach gebraucht werden koenn und es so etwas wie ein Verfallsdatum gibt.

Waehrend alledem ist ein paar Meter weiter die Entertainment-Fraktion zugange. Wir haben immer zwei MCs, Gordad und Chudy, die fuer die Umstehenden Programm machen. Wir haben immer ein paar T-Shirt mit Slogans wie „Nenda Kapime (Lass dich testen!)“ ueber, die wir bei solchen Shows unter die Leute bringen. Ich werde mindestens zweimal am Tag von den MCs ans Mikro gerufen und muss dann die Zuschauer auf kichaga gruessen (da „Masawe“ vom Stamm der Chaga stammt, die eine eigene Sprache sprechen und deren wichtigsten Grussformeln man mir inzwischen beigebracht hat).

Wenn Gordad und Chudy Pause haben trommeln und tanzen entweder die Kiliwizards oder die Truppe von K.A.C.A spielen Theater. Die Stuecke drehen sich immer Aidskranke und ihre Familien, z.B um einen Jugendlichen, der positiv ist und dessen Familie schon vor gestorben ist. Trotzdem werden die Geschichten immer sehr witzig gespielt und sind fuer die Zuschauer immer der Hoehepunkt des Tages.

Gordad & Chudy waehrend der Show als MCs

Komme zur Zeit nicht mehr gross zum bloggen, bin seit zwei Wochen von morgens bis abends mit White Orange Youth unterwegs. Wir machen auf den Maerkten und in den Voroten von Moshi mobile Aids-Testaktionen mit Entertainment von den Kiliwizards. Das zieht sich immer sehr lange und wenn ich abends heim komme, muss ich meisstens gleich wieder in die Dala Dala nach Magereca springen. Versuche in den naechsten Tagen was darueber zu bloggen und auch ein paar Fotos hochzuladen.

War die letzte Woche bei White Orange Youth damit beschaeftigt, mit anderen Volunteers eine Art Roadshow vorzubereiten. Dabei sollte es Infos ueber HIV/Aids, Kondomverteilung und sogar eine mobile Station geben, bei der man einen Aids-Test machen kann. Die Kiliwizards sollten den Unterhaltungspart uebernehmen. Wir haben dann in der Woche zuvor Banner fuer die Trucks gemalt, andere Organisationen interviewt, die so etwas schon mal gemacht haben und ein bischen Verwaltungskram erledigt. Letzten Samstag Morgen sind wir dann zu einem Vorort von Moshi ausgerueckt. Als ankamen stellte sich heraus, dass WOY zwar ein Zelt fuer die Test-Station gemietet hatte, dieses jedoch nur ein Dach und keine Seitenwaende hatte. Das Aerzte Team, dass fuers Testen zustaendig war und schon im Vorraus von WOY bezahlt wurde, zog deswegen nach einer Weile wieder ab, da Testen unter den Umstaenden illegal waere. Das ganze hat die uns natuerlich sehr genervt, da so mit einem sehr abgespeckten Programm angefangen wurde. Es gab dann eine Art Info-Show, die Kiliwizards hatten ihren Auftritt und wir haben den Zuschauern und den rund um den Marktplatz Kondome in die Hand gedrueckt. Letzteres war ganz witzig, viele Leute genierten sich sehr und zeigten nur auf ihre linke Hand um anzudeuten, dass sie verheiratet seien. Manchmal mussten wir bis zu 10 Minuten reden um die Leute rumzukriegen, dabei habe ich dann mein „Ich bin Masawe, ein in Tansania aufgewachsener Albino“-Programm gebracht, was ganz gut ankam. Wenn’s uns zu bloed war und sich die Leute sich vehement straeubten, haben wir manchmal einfach Kondome in deren Hemd- oder Hosentasche gesteckt und sind weitergezogen. Ist vielleicht nicht der eleganteste Weg, aber immer noch besser als einfach weiterzuziehen. Den die meisten trauten sich nicht, unter den Augen der Dorf-Bekanntschaft Kondome in die Hand zu nehmen. So konnten sie spaeter wenigstens sagen, dass der weisse Mann sie gezwungen hat.

Aids-Plakate in Moshi

Das Buero einer anderen HIV/Aids Organisation in Moshi


Oben: „Dieses Verhalten erhoeht das Risiko Aids zu kriegen. Pass auf!“ Unten Rechts (sinngemaess): „Bei zu knappem Outift wird man leichter angemacht“
Der Ministerpraesident (den ich schon live in Moshi gesehen habe) wirbt fuer ein Aids-freies Tansania. „Tansania ohne Aids ist moeglich. Lass dich testen!“

Nairobi

Habe das lange Osterwochenende genutzt um mit Walter in die kenianische Hauptstadt zu fahren. Joel, der uns zuletzt fuer einen Monat in Moshi besucht hatte, wohnt dort mit Freundin. Wir haben die ersten drei Tage bei Merceline, einer Couchsurferin gepennt, dann ist Walter zurueck nach Moshi und ich habe noch ein paar Tage bei Joel, seinem Cousin und seinem Bruder gehaust. White Orange Youth hatte mir fuer die restlichen Tage der angefangenen Woche freigegeben, da es in der Woche keine Arbeit bzw. nur eine Art Inventur gab, fuer die sie keine Volunteers brauchen.

Ausser dem kenianischen Nachtleben haben wir uns noch die Gedenkstaette fuer die Al-Quaida Anschlaege an der amerikanischen Botschaft angesehen. Walter war 1998 Sanitaeter in einem Krankenhaus in Nairobi und musste damals auch Anschlagsopfer versorgen. Der Platz, an dem frueher die Botschaft stand, ist jetzt eine Art Kulturpark mit Museum. Als wir da waren, spielte draussen gerade eine Genge-Band (kenianischer Bongo Flava). Auch lief gerade eine Aktion, bei der man anstatt Eintritt mit einer Tuete Maismehl bezahlen musste, welche dann spaeter in den Slums von Nairobi verteilt werden sollten.

Ansonsten ist Nairobi sehr hektisch und laut. Die Autos rasen einheitlich wie auf deutschen Autobahnen und nehmen sich immer recht anarchisch die Vorfahrt, die Strassen konnte ich eigentlich immer nur im Sprint ueberqueren. Auch die Matatus, die kleinen Busse die durch die Innenstadt fahren, sind mit Slogans wie „We don’t drive too fast, we are flying slowly!“ bemalt und drehen die Boxen immer auf volle Lautstaerke, sodass es einem noch lauter vorkommt als in der Disko in der man gerade war.

Eines Nachmittags bin ich durch das Zentrum gezogen und habe in der Naehe Schuesse gehoert. Habe dann schleunigst kehrt gemacht, bin aber etwa eine Stunde spaeter durch Zufall wieder in die Gegend gekommen. Dort waren jetzt Polizeiabsperrungen und auf der Strasse lag ein toter Mann. Tags darauf stand in der Zeitung, dass er einer mit zwei anderen Leuten einen Supermarktbesitzer ueberfallen hatte. Die drei Maenner hatten ihm die woechentlichen Einnahmen abgenommen als er diese gerade in einer Plastiktuete zur Bank bringen wollte. Die Gangster wurden jedoch anschliessend von den Passanten eingekreist und konnten nicht abziehen. Deswegen sollen sie einen Teil der Beute in die Menge geschmissen haben um etwas Verwirrung zu stiften. Zwei der Ganster konnte erfolgreich fliehen, der andere, den ich auf der Strassen gesehen hatte, wurde entweder von der Polizei erschossen oder von der Meute gelyncht, die Meinungen gehen da irgendwie ausseinander. Als ich die Story ganz aufgeregt abends meinen Gastgebern erzaehlte, grinsten die nur und meinten, dass sowas fast taeglich passiert. Inzwischen nennen manche die Stadt sogar „Nairobbery“.

Irgendwie sieht auch alles sehr westlich aus: Es gibt Kasinos, Fastfood und jeder trabt im Stechschritt durch die City. Bin ganz froh wieder im ruhigen und beschaulichen Moshi zu sein auch ich wenn kuehleren Temperaturen in Nairobi genossen habe.

Ich habe auch ein paar Bilder gemacht, wenn auch nicht sehr viele. Habe naemlich eine ganz ordentliche Kamera und wollte in der Innenstadt keine Ganster anlocken.